Die selfmade Cloud

Vor mittlerweile auch schon einigen Wochen stieß ich beim abendlichen random-surfing auf einen Blogartikel von monoxyd, der sich mit einem Raspberry Pi eine eigene kleine Dropbox gebaut hatte.

 Ich fand die Idee ziemlich cool und wollte so etwas auch haben. Einerseits hat mich die Lösung einer eigenen, privaten Cloud aus reinem Nerdinteresse ziemlich neugierig gemacht und wollte es auch einfach mal probieren, einen eigenen Server aufzusetzen. Andererseits finde ich es gar nicht so unsympathisch seinen Online-Speicher nicht in die Hände von Google, Dropbox und Co. legen zu müssen. Damit meine ich nicht mal unbedingt die ganze NSA-Nummer, aber irgendwie empfinde ich diese Lösung „sicherer“. Schließlich liegen meine Dateien jetzt auf meinem eigenen Server und nicht auf einer Serverfarm in einem anderen Land (die jetzt ökologisch ja jetzt auch nicht ganz so der Kracher ist) und ich nicht wirklich abschätzen kann, wer Zugriff auf meine gespeicherten Dateien bzw. auf meine Zugangsdaten hat. (Abgesehen davon, halte ich von dem „Ich hab ja nichts zu verbergen“-Argument relativ wenig.)

Also habe ich mir zu Weihnachten einen Raspberry Pi schenken lassen und es konnte losgehen. Zwar hatte ich mich vor einigen Jahren schon mal etwas mit Linux beschäftigt, da ich den Open-Source Gedanken prinzipiell schon gut finde, aber ich hatte schon damals nicht ganz so viel Spaß mit dem damit verbundenen Terminal-getippe. Auch heute könnte ich mir Linux als hauptsächlich genutztes Betriebssystem schwer in meinen Alltag integrieren…aber das steht vielleicht mal in einem andern Blogpost.

Glücklicherweise gibt es Leute, die sich richtig gut mit Linux auskennen und auch um ein vielfaches mehr an Sachverstand und technischem Können als ich verfügen, wenn es darum geht mit Linux zu arbeiten und an irgendwelchen Servergeschichten rumzubasteln.
In diesem Zusammenhang ist besonders der Blog von Jan Karres zu nennen. Jan Karres veröffentlicht auf seinem Blog viele Raspberry Pi-Tutorials, die auch von Leuten mit keinen bzw. wenig Linux und Kompetenzen durchgearbeitet werden können.
Daher soll das ganze hier auch keine Anleitung werden (die gibts bei Jan Karres und bei monoxyd), sondern eher ein erster Erfahrungsbericht.

 

Das Ergebnis

 

Vielleicht berichte ich als erstes vom Ergebnis dieser Bastelei: Es funktioniert!
Ich habe meinem Raspberry Pi einen 64 GB USB Stick verpasst, der als Cloud-Speicher dient. (Natürlich geht an dieser Stelle auch eine externe Festplatte mit entsprechend größerem Speicher.) 
 Mit der verwendeten Open-Source Cloudsoftware Seafile kann ich per Webbrowser, iPhone- App und meinem Laptop Dateien hochladen, runterladen, synchronisieren, teilen oder per Link freigeben. Das Webinterface ist mit einer kostenlosen Domain von aussen (also nicht nur im heimischen Netzwerk) erreichbar.

Seafile Webinterface

Besonders sympathisch finde ich hier, dass der Zugriff über den Webbrowser über eine sichere SSL Verbindung möglich ist und das auch einzelne in der Cloud gespeicherte Bibliotheken mit einem zusätzlichen Passwort geschützt werden können.

 

Seafile iPhone

 

 

Außerdem  sind für alle gängigen Plattformen Seafile-Clients verfügbar, also  Mac OS, Windows, Linux, Android und iOS. Zwar ist die ganze Seafile Software im Vergleich zu Dropbox nicht ganz so fancy und funktional, aber trotzdem völlig ausreichend wenn es darum geht Dateien freizugeben bzw. zu teilen oder Ordner zu synchronisieren. Jedoch geht die Entwicklung von Seafile stetig weiter und die Entwickler stellen regelmäßig Updates zur Verfügung.
Zusätzlich habe ich auch noch Bittorrent Sync installiert, um schnell Dateien zwischen Laptop, iPad und iPhone auszutauschen. Bittorent Sync ist zwar noch im Beta-Stadium und auch kein Open-Source Angebot, aber gerade zu diesem Zweck ist es wirklich schnell und ziemlich zuverlässig. Wie auch für Seafile gibt es Bittorrent Sync auch für alle gängigen Plattformen.

 

Die Hürden

 

Wie gesagt, meine eigene Cloud läuft und ich bin zufrieden. Trotzdem musste ich mich bis zum Ziel mit einigen Dingen auseinander setzten – denn wie eingangs erwähnt, fehlt mir an manchen Stellen schlicht und einfach das Wissen und Erfahrung.

 Die erste Hürde die zu nehmen war, war die Sache mit der Erreichbarkeit des Servers „von aussen“ also aus dem Internet – denn wenn der Cloud Speicher nur in den eigenen vier Wänden funktioniert ist es auch eher witzlos. Da unser Internetanschluss zu Hause keine feste IP-Adresse beinhaltet, musste ich mich ein wenig in das Thema Dynamische DNS und Portfreigaben einlesen – das war allerdings ein Problem das sich mit ein wenig Internetrecherche leicht lösen ließ. Das größere Problem war, dass unser Vodafone-Router keine DDNS Services unterstützt – das war nochmal eine Baustelle für sich.
(Nur so viel: Ich hatte noch eine FritzBox rumliegen – Problem gelöst!)

Die ersten Auseinandersetzungen (SSH Zugriff usw.) mit dem Raspberry Betriebssystem „Raspbian“ und das Aufsetzen des Seafile-Servers war dank der diversen Tutorials von Jan Karres und monoxyd kein Problem. Aber auch hier steckte der Teufel im Detail.
Es war tatsächlich eine etwas größere Fummelei an den Seafile Konfigurationsdateien nötig, um bestimmte Probleme zu lösen und Funktionen ans laufen zu bringen. Beispielsweise lässt die Standartkonfiguration keinen Dateiupload größer als 100 MB zu. Ebenso müssen auch andere Dinge, wie z.B. die Linkfreigabe über e-Mail, „von Hand“ in die enstprechenden Konfigurationsdateien eingefügt werden. Einerseits etwas aufwändig, anderseits auch irgendwie faszinierend wenn man eben nicht aus dem Linux-Universum kommt. Alles in allem waren das keine unlösbaren Aufgaben, allerdings sollte man hierzu wissen wie man im Terminal Befehle als Admin ausführt (sudo), wie man einen Texteditor benutzt und wie die entsprechenden Verzeichnisstrukturen im Linux-System aufgebaut sind. Aber auch diese Herausforderungen lassen sich mit etwas Recherche lösen.

 

Fazit

 

Alles in allem bin ich mit meiner eigenen Cloud fürs erste zufrieden. Außer, dass eben alles funktioniert kann ich zur Alltagstauglichkeit noch gar nicht viel sagen. Vielleicht dazu mehr an anderer Stelle.
 Auf jeden Fall hatte ich unglaublich viel Spaß bei diesem Experiment und bin auch sicher um einiges an Wissen und Erfahrungen reicher.

Falls nun jemand auch total heiß auf die eigene Cloud ist, hier kurz eine Auflistung der von mir verwendeten Hardware und Dienste die bei mir so funktionieren.

Raspberry Pi Model B
Intenso USB-Stick 64 GB (als Cloud Speicher)
EDIMAX EW-7811UN Wireless USB Adapter
Transcend SD-Karte 16 GB (für das Betriebssystem)
Netzteil Micro-USB 5V
Gehäuse für den Raspberry Pi (optional)
AVM-Fritzbox mit DynDNS von www.selfhost.de (kostenlos)
Seafile-Server für Raspberry Pi
Bittorrent Sync für Linux
und die entsprechenden Clients.

 

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